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<title>Postmoderne Architektur</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Postmoderne Architektur</span></h1>
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<p>Als <b>postmoderne Architektur</b> wird heute in der Regel eine Tendenz in der <a href="Architektur" title="Architektur">Architektur</a> bezeichnet, die ausgehend von den Ideen der <a href="Postmoderne" title="Postmoderne">Postmoderne</a> in den 1960er-Jahren in den USA entstand und in den 1980er-Jahren vornehmlich in westlichen Ländern große Bedeutung erlangte.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Der_Begriff_Postmoderne">Der Begriff Postmoderne</h2></div>
<p>Der Begriff der <i>Postmoderne</i> selbst geht zurück auf einen Diskurs, der unter Philosophen in Frankreich geführt wurde. Geprägt hat ihn dort <a href="Jean-Fran%C3%A7ois_Lyotard" title="Jean-François Lyotard">Jean-François Lyotard</a> („Das postmoderne Wissen“, „Postmoderne für Kinder“; Passagen, Wien). <a href="Charles_Jencks" title="Charles Jencks">Charles Jencks</a> nahm den in den Geisteswissenschaften und der Literaturwissenschaft kursierenden Begriff in seine <a href="Architekturtheorie" title="Architekturtheorie">Architekturtheorie</a> auf und übertrug ihn Mitte der 1970er Jahre auf Architektur und <a href="Urbanistik" title="Urbanistik">Urbanistik</a>. Unter dem Einfluss des <a href="Strukturalismus" title="Strukturalismus">Strukturalismus</a> und unter Nutzung von Schlüsselbegriffen der <a href="Semiotik" title="Semiotik">Semiotik</a> entwickelte er einen theoretischen Rahmen für die Beurteilungen von Gebautem im Hinblick auf das Wirkungsgefüge kultureller <a href="Symbol" title="Symbol">Symbole</a>. Den gestalterischen Ergebnissen des <a href="Funktionalismus_(Design)" title="Funktionalismus (Design)">Funktionalismus</a> der <a href="Moderne_(Architektur)" title="Moderne (Architektur)">Moderne</a> bescheinigte er dabei, durch Verzicht auf kulturelle Symbolik eine <a href="Kommunikation" title="Kommunikation">kommunikative</a> Verbindung zu den Menschen verloren zu haben. Eine Reihe von Strömungen, die diese Verbindung nach seiner Theorie wieder entwickelten, bezeichnete er als postmoderne Architektur.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Verwendung des Begriffs <i>Postmoderne</i> in der Architekturdiskussion weicht allerdings häufig von geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Definitionen des Begriffs ab. Dort wird die Postmoderne in Verbindung gebracht mit dem Entstehen einer <a href="Postindustrielle_Gesellschaft" title="Postindustrielle Gesellschaft">postindustriellen Gesellschaft</a>, mit dem Unglaubwürdig-Werden der großen <a href="Utopie" title="Utopie">Utopien</a> der Moderne (z.&nbsp;B. des Sozialismus oder der Rationalität) oder anderen Phänomenen des grundlegenden gesellschaftlichen Wandels.
</p><p>Im Bereich der Architektur und des Städtebaus ist die Postmoderne tendenziell als die Ablehnung eines <a href="Doktrin" title="Doktrin">doktrinären</a> Verbindlichkeitsanspruches und als eine <a href="Pluralismus_(Philosophie)" title="Pluralismus (Philosophie)">pluralistische</a> Grundhaltung in Bezug auf Methoden und Konzepte im Sinne eines „<a href="Anything_goes_(Schlagwort)" title="Anything goes (Schlagwort)">anything goes</a>“ zu verstehen.
</p><p>In diesem Sinne wurde der Begriff auch von vielen Vertretern der architektonischen Postmoderne während der 1980er Jahre verstanden, teils auch noch heute. Die Architektur der Postmoderne wurde als Teil des großen Projekts der Postmoderne begriffen und somit als völlig neues Phänomen im Vergleich zu den Strömungen der architektonischen <a href="Moderne_(Architektur)" title="Moderne (Architektur)">Moderne</a>. Da es in der zugrundeliegenden geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Postmoderne-Diskussion bereits sehr unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie der Begriff Moderne zu definieren sei, ist eine klare Unterscheidung aber nicht ganz einfach. Als zeitgenössische Bewegung zur Postmoderne kann der <a href="Kritischer_Regionalismus" title="Kritischer Regionalismus">kritische Regionalismus</a> angesehen werden.
</p><p>Heute gilt die architektonische Postmoderne nach weitverbreiteter Interpretation bereits als Teil der <a href="Architekturgeschichte" title="Architekturgeschichte">Architekturgeschichte</a> und wird somit als eine Art <a href="Architekturstil" class="mw-redirect" title="Architekturstil">Architekturstil</a> begriffen, als eine von vielen Strömungen der Kunst und Architektur des 20. Jahrhunderts.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Grundsätze_und_Merkmale"><span id="Grunds.C3.A4tze_und_Merkmale"></span>Grundsätze und Merkmale</h2></div>
<p>Die Postmoderne sieht <a href="Tradition" title="Tradition">Tradition</a> nicht als etwas, das überwunden werden muss (so wie es in der <a href="Moderne" title="Moderne">Moderne</a> geschah), sondern betrachtet sie als Sammlung von Möglichkeiten, der sie sich bedient. Es werden Gestalt- und Stilelemente der Vergangenheit zitiert, ohne dass diese einen funktionellen Zweck erfüllen müssen. Sie verwendet oft <a href="Architekturzitat" title="Architekturzitat">Architekturzitate</a>, ist also <a href="Eklektizistisch" class="mw-redirect" title="Eklektizistisch">eklektizistisch</a>.
</p><p>Die Postmoderne lehnt bloßen <a href="Funktionalismus_(Design)" title="Funktionalismus (Design)">Funktionalismus</a> ab. Die <a href="Fassade" title="Fassade">Fassade</a> wird zum Bedeutungsträger des Gebäudes und bewirkt, dass postmoderne Bauwerke Geschichten erzählen. Das wird durch die Verwendung von Schmuck, <a href="Ornament" title="Ornament">Ornamenten</a>, Symbolen oder Zeichen erreicht. Beton ist kaum sichtbar (damit auch eine Abgrenzung zum <a href="Brutalismus" title="Brutalismus">Brutalismus</a>), da er mit verschiedensten Materialien oft bunt verziert wird.
</p><p>Weiterhin soll sich die Architektur in Vorhandenes einordnen und dieses ergänzen. Damit setzt sich die Postmoderne vom <a href="Skulptur" title="Skulptur">Skulptur</a>-Gedanken des <a href="Expressionismus" title="Expressionismus">Expressionismus</a> ab, der ein Bauwerk als völlig eigenständiges bildhauerisches Werk sieht, und nimmt schon die Richtung des <a href="Ortsbild" title="Ortsbild">Ensemble</a>-Gedankens vorweg. So soll postmoderne Architektur keinem Einheitsstil folgen, sondern eine Architektur für den spezifischen Ort darstellen. Durch die Anwendung dieser Grundsätze entsteht eine unverwechselbare, überraschende und zugleich phantasievolle Architektur, die in keine Schublade passt. Grundsätzlich gilt nicht <i><a href="Form_follows_function" title="Form follows function">form follows function</a></i> (der Leitsatz des modernistischen <a href="Design" title="Design">Designs</a>), sondern <i>form follows fiction</i>.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Dass die postmoderne Architektur sich in ihr Umfeld einfügt, wird allerdings von <a href="Fredric_Jameson" title="Fredric Jameson">Fredric Jameson</a> bestritten, der darauf hinweist, dass die postmodernen Gebäudeskulpturen aus ihrem urbanen Umfeld herausfallen.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der spätere Postmodernismus gewinnt noch eine weitere Komponente, nämlich <a href="Internationalismus" title="Internationalismus">Internationalismus</a>. Genauso zwanglos, wie man sich in der eigenen Geschichte bedienen kann, kann man sich auch weltweit bedienen. Damit ist die Postmoderne der stilistische Ausdruck der beginnenden <a href="Globalisierung" title="Globalisierung">Globalisierung</a> (wo er Parallelen zur <a href="Weltmusik" title="Weltmusik">Weltmusik</a> aufweist und etwa dem <a href="Jugendstil" title="Jugendstil">Jugendstil</a> verwandt ist). Gleichzeitig demontiert die reifere Postmoderne zunehmend den Regionalismus, indem dem ortsüblichen gewachsenen Gemenge der Formensprachen – weiter dem Ironisierenden verpflichtet – das „Fremde“ bei- (und auch entgegen-) -gestellt wird.
Die postmoderne Architektur erklärte den „<a href="#Theoretische_Grundlagen">dekorierten Schuppen</a>“ zum Ziel. Eine wichtige Rolle bei der „Wiederentdeckung der Stile“ spielte allerdings die <a href="S%C3%A4ule" title="Säule">Säule</a>. Die Postmoderne setzte dabei hauptsächlich auf die Anwendung antiker, <a href="Klassizismus" title="Klassizismus">klassizistischer</a> Architektursprache. Regionale Stilvariationen haben dabei weniger eine Rolle gespielt. Daher ist es nicht ohne Grund zum Vorwurf dürftiger geistiger Untermauerung der Postmoderne gekommen. Die Beliebigkeit und die zunehmende Verspieltheit haben den sachlich richtigen Anspruch einer Reform der Moderne konterkariert. Nach der durch die Postmoderne ausgelösten Wiederentdeckung der Stile ist eine überzeugende Anwendung jedoch meist ausgeblieben. Je nach urban-monumentaler Prägung des Gebäudes hätten die verwendeten Stilmerkmale der traditionellen regionalen und der monumentalen Bauweise abgestimmt werden müssen. Eine Renaissance der Postmoderne ist demnach wohl nur denkbar in der Form eines <a href="Kritischer_Regionalismus" title="Kritischer Regionalismus">kritischen Regionalismus</a>, der sich selbst nicht durch <a href="B%C3%BChne_(Theater)" title="Bühne (Theater)">szeniastische</a> Spielereien in Frage stellt.
</p>




<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herausragende_Architekten_und_Gebäude"><span id="Herausragende_Architekten_und_Geb.C3.A4ude"></span>Herausragende Architekten und Gebäude</h2></div>
<p><a href="Paolo_Portoghesi" title="Paolo Portoghesi">Paolo Portoghesis</a> und <a href="Vittorio_Gigliotti" title="Vittorio Gigliotti">Vittorio Gigliottis</a> <i>Casa Baldi</i> in <a href="Rom" title="Rom">Rom</a> aus dem Jahr 1959 gilt als ein frühes Beispiel einer postmodernen Architektur.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><br>Zum emblematischen Sinnbild postmoderner Architektur wurde das <a href="Sony_Building" class="mw-redirect" title="Sony Building">AT&amp;T Building</a> in <a href="New_York_City" title="New York City">New York City</a> (1978–1984), ein Wolkenkratzer, den <a href="Philip_Johnson" title="Philip Johnson">Philip Johnson</a> und sein Partner John Burgee mit einem gesprengten Giebel nach Art einer <a href="Thomas_Chippendale" title="Thomas Chippendale">Chippendale</a>-Standuhr abschlossen.
</p><p><a href="Michael_Graves" title="Michael Graves">Michael Graves</a> wurde mit seinem 1982 fertiggestellten <a href="Portland_Building" title="Portland Building">Portland Building</a> in <a href="Portland_(Oregon)" title="Portland (Oregon)">Portland</a> bekannt. Stark historisierende Ansätze findet man bei den Gebrüdern <a href="Rob_Krier" title="Rob Krier">Rob</a> und <a href="Leon_Krier" class="mw-redirect" title="Leon Krier">Leon Krier</a>, die aus <a href="Gro%C3%9Fherzogtum_Luxemburg" class="mw-redirect" title="Großherzogtum Luxemburg">Luxemburg</a> stammen. Rob Krier wurde für seine Bebauung der Ritterstraße in <a href="Berlin-Kreuzberg" title="Berlin-Kreuzberg">Berlin-Kreuzberg</a> zur Zeit der <a href="Internationale_Bauausstellung_1987" title="Internationale Bauausstellung 1987">Internationalen Bauausstellung 1987</a> (IBA) sehr bekannt.
</p><p>Die historisierende Postmoderne hat besondere Ausprägung in <a href="Vereinigtes_K%C3%B6nigreich" title="Vereinigtes Königreich">Großbritannien</a> bei dem Architekten <a href="Terry_Farrell_(Architekt)" title="Terry Farrell (Architekt)">Terry Farrell</a>. Ein formal strengerer Ansatz findet sich bei dem <a href="Deutschland" title="Deutschland">deutschen</a> Architekten <a href="Oswald_Mathias_Ungers" title="Oswald Mathias Ungers">Oswald Mathias Ungers</a> sowie bei dem <a href="Italien" title="Italien">italienischen</a> Architekten <a href="Aldo_Rossi" title="Aldo Rossi">Aldo Rossi</a>.
</p><p>Die Architekturdiskussion lässt sich auf die <a href="Polarit%C3%A4t_(Philosophie)" title="Polarität (Philosophie)">Polarität</a> zwischen einem Rückgriff auf <a href="Kultur" title="Kultur">kulturelle</a> Identitäten der Vergangenheit (‚Giebelmoderne‘) und Vorgriffen auf Möglichkeitsformen (‚Stil-Pluralismus‘) verkürzen. Der Stil-<a href="Pluralismus_(Philosophie)" title="Pluralismus (Philosophie)">Pluralismus</a> setzt (<a href="Dekonstruktivismus_(Architektur)" title="Dekonstruktivismus (Architektur)">Dekonstruktivismus</a>, ‚Blobs‘ etc.) als Gegengewicht zum verbindlichen Kanon der Architekturgeschichte radikal auf das Neue und Experimentelle.
</p><p>Weitere Architekten sind <a href="Alexander_Freiherr_von_Branca" class="mw-redirect" title="Alexander Freiherr von Branca">Alexander Freiherr von Branca</a> und <a href="Charles_Willard_Moore" title="Charles Willard Moore">Charles Willard Moore</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Postmoderne_in_der_Bundesrepublik_Deutschland">Postmoderne in der Bundesrepublik Deutschland</h2></div>
<p>Im Raum Köln-Bonn entstand bereits 1969 in <a href="Wesseling" title="Wesseling">Wesseling</a> das Haus Nagel von <a href="Heinz_Bienefeld" title="Heinz Bienefeld">Heinz Bienefeld</a>, das im Nachhinein der Postmoderne zugerechnet wird. 1976 entstand in Bonn die <a href="Metropolitankirche_Agia_Trias" title="Metropolitankirche Agia Trias">Metropolitankirche Agia Trias</a>.
</p><p>Die <a href="Internationale_Bauausstellung_1984" class="mw-redirect" title="Internationale Bauausstellung 1984">Internationale Bauausstellung 1987</a> in <a href="West-Berlin" title="West-Berlin">West-Berlin</a> war postmodern geprägt und wurde als <i>behutsame Stadterneuerung</i> kommuniziert.
</p><p>Als bedeutende postmoderne Bauten in Deutschland gelten das 1982 eröffnete <a href="Museum_Abteiberg" title="Museum Abteiberg">Städtische Museum Abteiberg</a> in <a href="M%C3%B6nchengladbach" title="Mönchengladbach">Mönchengladbach</a> von <a href="Hans_Hollein" title="Hans Hollein">Hans Hollein</a>, die 1984 eröffnete <a href="Neue_Staatsgalerie" class="mw-redirect" title="Neue Staatsgalerie">Neue Staatsgalerie</a> in <a href="Stuttgart" title="Stuttgart">Stuttgart</a> von <a href="James_Stirling_(Architekt)" title="James Stirling (Architekt)">James Stirling</a>, der <a href="Messeturm_(Frankfurt)" class="mw-redirect" title="Messeturm (Frankfurt)">Messeturm</a> in <a href="Frankfurt_am_Main" title="Frankfurt am Main">Frankfurt am Main</a> von <a href="Helmut_Jahn_(Architekt)" title="Helmut Jahn (Architekt)">Helmut Jahn</a> und die Bebauung der <a href="Scharnh%C3%A4user" title="Scharnhäuser">Saalgasse</a> ebenfalls in Frankfurt. Weitere herausragende postmoderne Gebäude in Deutschland sind die <a href="Kunst-_und_Ausstellungshalle_der_Bundesrepublik_Deutschland" title="Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland">Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland</a> in Bonn, das <a href="Museum_f%C3%BCr_Moderne_Kunst" title="Museum für Moderne Kunst">Museum für Moderne Kunst</a> in Frankfurt und der Erweiterungsbau des <a href="Germanisches_Nationalmuseum" title="Germanisches Nationalmuseum">Germanischen Nationalmuseums</a> mit der <a href="Stra%C3%9Fe_der_Menschenrechte" title="Straße der Menschenrechte">Straße der Menschenrechte</a> in <a href="N%C3%BCrnberg" title="Nürnberg">Nürnberg</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entwicklung">Entwicklung</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kritik_an_der_Moderne">Kritik an der Moderne</h3></div>
<p><a href="Jane_Jacobs" title="Jane Jacobs">Jane Jacobs</a> kritisierte in ihrer 1961 veröffentlichten Analyse <i>The Death and Life of Great American Cities</i> die Entwicklung der amerikanischen <a href="Gro%C3%9Fstadt" title="Großstadt">Großstädte</a> hin zu seelenlosen Gebilden ohne erlebbare Dichte und menschliche Qualität. Etwa zeitgleich beschäftigte sich auch <a href="Robert_Venturi" title="Robert Venturi">Robert Venturi</a> mit der durch die Architektur der Moderne geprägten amerikanischen Stadt in <i>Complexity and Contradiction in Architecture</i> (1966). In diesem berühmt gewordenen Werk konzentriert sich seine Kritik vor allem auf die fehlende <a href="Ikonologie" title="Ikonologie">Ikonologie</a> und die Sprachlosigkeit <a href="Moderne_(Architektur)" title="Moderne (Architektur)">moderner Architektur</a>, was von ihm als Grund für das Ausbleiben menschlicher Dimensionen in derartiger Architektur und den von ihnen geprägten amerikanischen Großstädten verstanden wurde. <a href="Ironie" title="Ironie">Ironie</a> in der Architektur wird bei Venturi großes Gewicht beigemessen, was die von ihm geforderte erzählerische Komponente von Architektur beispielhaft deutlich macht.
</p>

<p>Die Bedeutung der Theorie für die Praxis zeigt sich zeitlich recht dicht folgend in dem Abriss von einigen aus Plattenmodulen errichteten vierzehnstöckigen Apartmenthäusern in <a href="St._Louis" title="St. Louis">St.&nbsp;Louis</a> im Jahre 1972 (<a href="Pruitt-Igoe" title="Pruitt-Igoe">Pruitt-Igoe</a>). Sie waren gerade zwanzig Jahre zuvor durch den Architekten <a href="Minoru_Yamasaki" title="Minoru Yamasaki">Minoru Yamasaki</a> errichtet worden und hatten damals immerhin eine sehr positive Aufnahme unter den Architekten der 1950er Jahre gefunden. Ähnliche Bauprojekte wurden in den 1950er-Jahren in <a href="Westeuropa" title="Westeuropa">Westeuropa</a> und <a href="Vereinigte_Staaten" title="Vereinigte Staaten">USA</a> an vielen Stellen begonnen, das vielleicht berühmteste dieser modernen Experimente war <a href="Le_Corbusier" title="Le Corbusier">Le Corbusiers</a> <i><a href="Unit%C3%A9_d%E2%80%99Habitation" class="mw-redirect" title="Unité d’Habitation">unité d’habitation</a></i> in <a href="Marseille" title="Marseille">Marseille</a>. Der <a href="Ostblock" title="Ostblock">Ostblock</a> folgte dieser Richtung in den späten 1960er-Jahren mit der, vor allem im durch den <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Krieg</a> immer noch gezeichneten Ostdeutschland, stark ausgeprägten <a href="Plattenbau" title="Plattenbau">Plattenbauweise</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Theoretische_Grundlagen">Theoretische Grundlagen</h3></div>
<p>Wenn der große Wendepunkt in der Architekturgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts –&nbsp;weg von der <a href="Ideologie" title="Ideologie">Ideologie</a> der <a href="Moderne" title="Moderne">Moderne</a> („<a href="Form_follows_function" title="Form follows function">Form follows function</a>“), hin zu der etwa von Robert Venturi propagierten erzählerischen Vielfalt&nbsp;– mit dem Abriss der Häuser von St.&nbsp;Louis gleichgesetzt wird, geht dies auf den US-amerikanischen Architekturtheoretiker <a href="Charles_Jencks" title="Charles Jencks">Charles Jencks</a> zurück. Jencks hat in seinem Buch <i>The Language of Postmodern Architecture</i> das Bild von der Zerstörung der Siedlung <a href="Pruitt-Igoe" title="Pruitt-Igoe">Pruitt-Igoe</a>, welches seit 1972 um die Welt geht, genutzt, um symbolisch das Ende der klassischen Moderne zeitlich festzuschreiben.
</p><p><a href="Robert_Venturi" title="Robert Venturi">Venturi</a> war es wiederum, der hier weiterdachte und zusammen mit <a href="Denise_Scott_Brown" title="Denise Scott Brown">Denise Scott Brown</a> und Steven Izenour in <i>Learning from Las Vegas</i> (1972) auf die Verspieltheit der Architektur von <a href="Las_Vegas" title="Las Vegas">Las Vegas</a> als möglichen Ausweg verwies. Diese Auffassung von Venturi sollte sich auch in seiner Baupraxis niederschlagen. So nimmt das mit seinem Partner John Rauch 1976 errichtete Tucker House, Katonah/N.Y., historische Referenzen ebenso auf wie sein Brant-Johnson House in Vail, <a href="Colorado" title="Colorado">Colorado</a>.
</p><p>Der „dekorierte Schuppen“ ist ein Thema von Venturi/Scott-Brown, bei dem darauf hingewiesen wird, dass – wie in <a href="Las_Vegas" title="Las Vegas">Las Vegas</a> – einem Gebäude, das eigentlich eine banale Kiste ist, durch eine beliebige Fassade jegliches Aussehen gegeben werden kann. Der <a href="Frankreich" title="Frankreich">französische</a> <a href="Philosoph" title="Philosoph">Philosoph</a> <a href="Jean_Baudrillard" title="Jean Baudrillard">Jean Baudrillard</a> liefert zu dem Phänomen des Simulierten und des <a href="Simulacrum" title="Simulacrum">Simulacrum</a> den theoretischen Hintergrund, indem er erklärt, dass sich der Anschein –&nbsp;hier die Fassade&nbsp;– zunehmend nicht nur löst, sondern komplett verselbstständigt. Die Dekoration ist dabei beliebig – kann also auch über historische Motive versuchen, Geborgenheit zu simulieren oder gar in der menschlichen Wahrnehmung zu erzeugen. Diese Spielart der architektonischen Postmoderne wird nicht von großen Architekten entwickelt, sondern von ihnen in der Alltagsarchitektur entdeckt und weiterverwendet.
</p><p><a href="Paolo_Portoghesi" title="Paolo Portoghesi">Paolo Portoghesi</a> gilt als einer der wichtigsten theoretischen Wegbereiter der Postmodernen Architektur. Auf der <a href="Biennale_von_Venedig" class="mw-redirect" title="Biennale von Venedig">Biennale von Venedig</a> im Jahr 1980 organisierte er eine Ausstellung zur postmodernen Architektur unter dem Titel: <i>Die Gegenwart der Vergangenheit</i>. Diese Ausstellung, die nach dem Abbau noch in <a href="Paris" title="Paris">Paris</a> und <a href="San_Francisco" title="San Francisco">San Francisco</a> gezeigt wurde, schaffte es, eine Synthese der damals vorhandenen verschiedenen Strömungen der nachmodernen Architektur darzustellen. Die Ausstellung war mit mehr als 2.000 Besuchern täglich ein Publikumserfolg. Obwohl die Fachdiskussion kontrovers war, löste die Ausstellung eine Fülle von Veröffentlichungen zu dem Thema aus. Sie gilt als Schlüsselereignis einer umfassenden theoretischen Aufbereitung der Postmodernen Architektur.
</p><p>In <i>The Language of Postmodern Architecture</i> hat <a href="Charles_Jencks" title="Charles Jencks">Charles Jencks</a> auch erstmals all jene verschiedenartigen Ansätze zusammengefasst, die Auswege aus der Krise einer von Bauträgern funktionalisierten Sprache der Moderne aufzeigten. Damit hatte der in <a href="London" title="London">London</a> lebende Jencks entscheidend zur Popularisierung einer „neuen“ Architektur beigetragen, als sein Buch in viele Sprachen übersetzt wurde (auch auf Deutsch: <i>Die Sprache der postmodernen Architektur</i>, DVA) und eine hohe Auflage erreichte.
</p><p>Im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung postmoderner Architektur –&nbsp;mit der Motivik klassischer Architektur (Säulenreihen, Architrave und Gesimse)&nbsp;– seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre, hat <a href="Jean-Fran%C3%A7ois_Lyotard" title="Jean-François Lyotard">Lyotard</a> stets betont, dass es der Postmoderne darum gehen müsse, „einige Wesenszüge der Moderne zu re-digieren“.
</p><p>Ausschlaggebend für diese Neuformierung der Architektur war die <a href="Biennale" title="Biennale">Biennale</a> von <a href="Venedig" title="Venedig">Venedig</a> im Jahr 1980, wo eine Gruppe von amerikanischen und westeuropäischen Architekten Entwürfe für eine Ausstellung mit dem Titel <i>Die Gegenwart der Vergangenheit</i> anfertigten.
</p>


<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Sozialistische_Postmoderne_(1980–1990)"><span id="Sozialistische_Postmoderne_.281980.E2.80.931990.29"></span>Sozialistische Postmoderne (1980–1990)</h3></div>
<p>In den sozialistischen Staaten des Warschauer Paktes setzte die Entwicklung der postmodernen Architektur, begünstigt von einer politischen Kehrtwende im kulturellen und städtebaulichen Planungsbereich, erst ab den frühen Achtzigern ein.
Speziell in den Stadtzentren der <a href="Deutsche_Demokratische_Republik" title="Deutsche Demokratische Republik">DDR</a> und Polens, die durch Kriegszerstörungen und einen monolithisch-brachialen Wiederaufbau sowohl in klassizistischer wie modernistischer Art ihrer alten Strukturen –&nbsp;und Grundfunktionen als Stadtmitten&nbsp;– entledigt worden waren, besann man sich auf die Notwendigkeit einer abschließenden Verdichtung der alten Ortskerne im Sinne mitteleuropäischer Traditionen. Aufgrund der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage und der Nichtverfügbarkeit vieler westlicher Baumaterialien wurden durch Architektenkollektive vorwiegend Konzepte auf Basis der <a href="Plattenbauweise" class="mw-redirect" title="Plattenbauweise">Plattenbauweise</a> erarbeitet. Weit stärker als die ironisierende, vom individuellen Geschmack des Architekten abhängige Postmoderne des Westens war das „kritisch-traditionalistische Bauen“ des Sozialismus kulturpolitisch themen- und plangebunden und kann als verspätete, kritische Fortführung der Nationalen Bautraditionen der Fünfziger angesehen werden. Im Unterschied zu dieser politisch-ideologisch überfrachteten (Kampf)Architektur prägten nun relative Kleinteiligkeit, fast biedermeierliche Unpolitischkeit und eine maßstäbliche Orientierung der Neubauten an überlieferten Stadtgrundrissen die neuen Prämissen der <a href="Stadtplanung" title="Stadtplanung">Städteplanung</a>.
</p>

<p>Wiederherstellung der alten, regionalen Stadtbilder in neuem, aufwendigen Rahmen, beispielsweise beim <i>Fünfgiebelhaus</i> in <a href="Rostock" title="Rostock">Rostock</a> oder den Bauten am <a href="Gendarmenmarkt" title="Gendarmenmarkt">Gendarmenmarkt</a> (Platz der Akademie) in Berlin, gingen Hand in Hand mit einer recht uniformen Neu- und Umgestaltung zweitrangiger Quartiere durch seriell gefertigte Plattenbauten, die sich von ihren Vorgängern der 1960er und 1970er Jahre nur durch gewinkelte Grundrisse, wenige neugefaßte Plattenelemente im Eingangs- und Treppenbereich sowie ein standardisiertes Pult- oder Mansarddach unterschieden. Beispiele für diese, weitaus häufigste Form der sozialistischen <i>Stadtsanierung</i> waren Brunos Warte in <a href="Halle_(Saale)" title="Halle (Saale)">Halle</a>, der Norden der <a href="Erfurt" title="Erfurt">Erfurter</a> Innenstadt, das Hafenviertel in Rostock, das wendische Quartier in <a href="Cottbus" title="Cottbus">Cottbus</a> sowie die Umgestaltung des Stadtkerns von <a href="Gera" title="Gera">Gera</a> im Raum der Greizer Straße. Vorausgehend wurden allerdings die existierenden Stadtquartiere, oft in ruinösem Zustand, großflächig abgerissen und die gewachsenen Stadtbilder weiter standardisiert. Gerade in den kleineren Städten der DDR sowie der VR Polen (oft kriegszerstörte Kerne in den <a href="Ostgebiete_des_Deutschen_Reiches" title="Ostgebiete des Deutschen Reiches">1945 von Deutschland übernommenen Gebieten</a>, z.&nbsp;B. Glogau, Liegnitz, Cammin, Elbing oder Brieg) bestand von offizieller Seite keine Alternative zur Flächensanierung, da staatliche Zuschüsse und Mittel zur Einzelsanierung sehr begrenzt bzw. überhaupt nicht vorhanden waren. Die wenigen Mittel flossen zumeist in die Sanierung intakter Stadtkerne, z.&nbsp;B. Quedlinburg, Greifswald oder Freiberg in der <a href="Deutsche_Demokratische_Republik" title="Deutsche Demokratische Republik">DDR</a>; Danzig, Breslau und Hirschberg in der <a href="VR_Polen" class="mw-redirect" title="VR Polen">VR Polen</a>, Budweis, Krumau, Brünn in der <a href="Tschechoslowakei" title="Tschechoslowakei">CSSR</a>. Allerdings sind postmodern anmutende, expressive Bauformen sowohl bei Gesellschafts- wie Wohnbauten in der VR Ungarn sowie der CSSR seit den Siebzigern keine Seltenheit mehr gewesen. Diese Postmoderne zitierte offener westliche Vorbilder und spielerische Ironien als die ernsthaftere DDR-Architektur.
</p><p>Abseits der Stadtkerne fand vor allem in der DDR die Postmoderne Anwendung als Lückenfüller und Platzhalter in gründerzeitlichen Stadträumen; hier aufgrund der ähnlichen Grundrissstrukturen, der ähnlichen Dachgestaltung (Pult- bzw. Mansarddächer) und Blockhaftigkeit zweckdienlicher als in vormals verwinkelten Altstädten wie Erfurt oder einer strengen Sechzigermoderne konträr gegenübergestellt, wie in Dresden (Neumarkt). In jedem Falle stellten die Neubauten angesichts der verheerenden Zustände von Altbauquartieren und den unzureichenden Qualitäten der industriellen Wohnbauten vorangegangener Jahrzehnte eine Verbesserung der Wohnqualität dar und waren bei der Bevölkerung begehrt.
</p><p>Anders als in den 1950er-Jahren fand über die Neuerforschung und Interpretation des baulichen Kulturerbes hinaus auch erstmals eine differenzierte Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Kultur des Westens statt, auf die man sich mehr oder weniger bewusst in Architektursprache und kulturhistorischer Begründung bezog. Neben dem konventionellen Historismus suchte man auch nach einer Neupositionierung zum Jugendstil, der in der staatlichen Forschung ebenfalls bis dahin ignoriert und als bürgerlich-dekadente Träumerei verfemt worden war und nun zum Untersuchungsobjekt wurde. Der <a href="Friedrichstadt-Palast" title="Friedrichstadt-Palast">Friedrichstadt-Palast</a> in Berlin, eine Mischung aus <a href="Art_d%C3%A9co" title="Art déco">Art-déco</a>- und <a href="Jugendstil" title="Jugendstil">Jugendstilelementen</a> an einem ansonsten monolithischen Baukörper, ist das wohl herausragendste und umstrittenste Werk dieser Episode.
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<p>Gleichzeitig begann man in den Planungsbehörden, die offene Zusammenarbeit mit westlichen Stellen und Unternehmen zu suchen und sich an westlichen Vorbildern neu zu orientieren. Besonders wurde diese politische Kehrtwende beim Bau repräsentativer Hotel- und Gesellschaftsbauten in Berlin und Dresden (<a href="Interhotel" title="Interhotel">Interhotels</a>) deutlich, für deren Ausführung bzw. Hilfestellung man „unverdächtige“ westliche Firmen aus Schweden, Dänemark, Frankreich und Japan beauftragte. Bekannte Objekte waren hierbei die Hotelbauten am Neumarkt und das Bellevue in Dresden sowie das heutige Hotel Hilton in <a href="Ost-Berlin" title="Ost-Berlin">Ost-Berlin</a>. In unmittelbarer Nachbarschaft an letzteres entstanden am heutigen Gendarmenmarkt in Berlin eine ganze Reihe repräsentativer Wohn- und Geschäftsbauten, die sich beinahe rekonstruktiv an historische Vorbilder anlehnten, jedoch unter Beibehaltung der Plattenbauweise. Weniger rekonstruktiv und authentisch, dafür umso umstrittener und politisch aufgeladen, wird das Nikolaiviertel in Berlin heute als stellvertretend für die DDR-Postmoderne, ihrer Stärken und Schwächen überhaupt angesehen. In gewissem Maße ist das <a href="Nikolaiviertel" title="Nikolaiviertel">Nikolaiviertel</a> in stärkerem Maße an die Bauphilosophie der westlichen Postmoderne angelehnt, die eine vollständige Rekonstruktion und einhergehende Traditionalismen ebenfalls ablehnte, daher Ornamente sowie Bauformen eher abstrahierte als kopierte. Die ideologische Widersprüchlichkeit zwischen sozialistischem Anspruch und der Hinwendung zu <i>bürgerlichen</i> Bauformen blieb auch hier bestehen, verschärft durch eine Kitsch-Debatte im In- und Ausland infolge einer als willkürlich empfundenen <a href="Translozierung" title="Translozierung">Versetzung</a> rekonstruierter Gebäude (Gaststätte <i><a href="Zum_Nu%C3%9Fbaum" title="Zum Nußbaum">Zum Nußbaum</a></i>) mit bezuglosem Zitieren und Verfremden traditioneller Stilformen.
</p><p>Beide Quartiere wurden ungeachtet stilistischer und ideologischer Diskussionen auch aus anderer Sicht kritisch gesehen. Gerade aufgrund ihrer Aufwendigkeit und Qualität, die sich von den Neubauten der Provinz beträchtlich unterschied, waren sie für den Rest der DDR-Bevölkerung ein Beispiel für eine zunehmende Abgehobenheit der DDR-Führung, aufgrund derer man sich in teure Repräsentation und widersprüchliche Anbiederung an westliche <a href="Devisen" title="Devisen">Devisenbringer</a> flüchtete, derweil man der Normalbevölkerung die Annehmlichkeiten der Westöffnung weiterhin vorenthielt. Beispielsweise waren die Hotelbauten wie das <i>Bellevue</i> in Dresden ausschließlich als <a href="Devisenhotel" class="mw-redirect" title="Devisenhotel">Devisenhotels</a> ausgewiesen und nicht für Ostmark-Besitzer vorgesehen.
</p><p>Gegen Ende der DDR wurden die Entwürfe und Neubauten jedoch zunehmend westlicher, das heißt der Anteil an Glasfassaden, Flach- und Terrassendächern und aufwendigen Baumaterialien –&nbsp;in Widerspruch zur fortschreitenden Wirtschaftsmisere&nbsp;– höher, auch wurde die Plattenbauweise aufgrund ihres begrenzten Formenrepartoires zunehmend hinterfragt. In neuen Plänen und Bauausstellungen der Wendezeit, etwa für die Innenstadt von Leipzig, zeigten sich vor dem Mauerfall bereits die künftigen Formen der stahl- und glasgeprägten Investorenmoderne, welche bald die Nachwendezentren ostdeutscher Städte prägen sollten.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
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<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zeitgenössische_Postmoderne"><span id="Zeitgen.C3.B6ssische_Postmoderne"></span>Zeitgenössische Postmoderne</h3></div>



<p>In den frühen 1990er-Jahren erlebte die postmoderne Architektur in Deutschland einen zeitweiligen Höhepunkt. Mit den Stadtsanierungen in den Neuen Bundesländern, der Bundeshauptstadt Berlin wie auch dem gesamten ehemaligen <a href="Rat_f%C3%BCr_gegenseitige_Wirtschaftshilfe" title="Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe">Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe</a> wurden Baulücken wie auch ganze Stadtquartiere nach postmodernen Grundlagen saniert und in vielen Fällen völlig neugestaltet. Oft war weniger die Intention der Architekten als das Bedürfnis der Bauherren nach schnell zu vermittelnden Botschaften, Frische und „unsozialistischer“ Formsprache ausschlaggebend; die Abstraktheit der Einzelformen ermöglichte preisgünstige, schnelle, aber auch technisch weniger ausgefeilte Lösungen als noch in den 1980ern durch die westeuropäischen „Gründerväter“. Völlige Neuplanungen wie z.&nbsp;B. der Potsdamer Stadtteil <a href="Drewitz_(Potsdam)#Kirchsteigfeld" title="Drewitz (Potsdam)">Kirchsteigfeld</a> blieben in Deutschland die Ausnahme, jedoch konnten Architekten wie <a href="Hans_Kollhoff" title="Hans Kollhoff">Hans Kollhoff</a> und die <a href="Patzschke_%26_Partner_Architekten" title="Patzschke &amp; Partner Architekten">Brüder Patzschke</a> mit einer ernsthaft gehaltenen, akademisch-klassistischen Formsprache an wichtigen Standorten in Berlin-Mitte, Chemnitz und Dresden neue Akzente setzen. Derartige Wirkungsmacht konnte jedoch nur einer kleinen Anzahl von im Geist der Postmoderne entworfenen Bauwerken zuteilwerden.
Spätestens seit Mitte der 1990er Jahre war die Postmoderne in Deutschland und Westeuropa auf dem stetigen Rückzug, begleitet von einer Welle der Kritik und Distanzierung durch Architekten, Kulturbeauftragte und Presse.
</p><p>Um das Jahr 2000 herum galt die Postmoderne gemeinhin als abgeschlossenes Kapitel, abgelöst vom neuen <a href="Minimalismus_(Architektur)" title="Minimalismus (Architektur)">Minimalismus</a>, der dem Detail und der technischen Entwurfsfertigkeit des Architekten mehr Bedeutung beimaß als der formalen Fassadengestaltung. Ob in die „High-Tech-Architektur“ eingegangene Reste des <a href="Dekonstruktivismus_(Architektur)" title="Dekonstruktivismus (Architektur)">Dekonstruktivismus</a> sowie die Blob- und integrative Medienarchitektur tatsächlich ihre weltanschaulichen Vorläufer im Postmodernismus finden bzw. dieser aufgespalten fortlebt, muss dahingestellt bleiben. Mit zunehmender Differenzierung der „Gestaltungsmilieus“ und der fehlenden Gegenwucht zu rein kommerziell begründeten Vorgaben verlieren auch Kategorien wie „Stil“ und „Epoche“ an Bedeutung. Der aus der Musikwelt entlehnte Begriff <i>Potpourri Stil</i> beschreibt das aus beliebten, regionalen, nationalen, aber auch bewährten, zuverlässigen oder dekorativen Elementen vielfältig zusammengestellte derzeitige Bauen am ehesten, zumal das bunte Nebeneinander aller möglichen Elemente dem Zeitgeist der Event- und Unterhaltungsmentalität am ehesten entspricht.
</p><p>In den <a href="Vereinigte_Staaten" title="Vereinigte Staaten">USA</a> sehnt man sich zurück zu <i>„Small Town America“</i> des frühen 20.&nbsp;Jahrhunderts. Der Disneykonzern hat –&nbsp;neben vielen anderen Bauträgern&nbsp;– die bekannteste Siedlung des sogenannten <i><a href="New_Urbanism" title="New Urbanism">New Urbanism</a></i> geschaffen: <a href="Celebration_(Florida)" title="Celebration (Florida)">Celebration (Florida)</a>, eine Siedlung, die Kleinstadtleben simuliert, von der Umgebung eleganterweise nicht durch einen Zaun, sondern Wasserflächen getrennt und mit historisierenden Gebäuden im Stil des 18. und 19. Jahrhunderts („Colonial Revial“, „Federal Style“) bebaut ist. Jedoch ist diese Art von (vorstädtischer) Städteplanung selbst während der 1960er und 1970er Jahre nie aus dem Blickfeld amerikanischer Bauherren und Architekten verschwunden. Neuplanungen im englischen Landhausstil wie <a href="Poundbury" title="Poundbury">Poundbury</a>/Dorset,UK muten wie Inseln in einem völlig anders gearteten, von Nachkriegsmoderne geprägten Umfeld an.
</p><p>Rekonstruktionen kriegszerstörter Gebäude wurden an kulturhistorisch wichtigen Standorten in allen Bauepochen ab 1945 durchgeführt, doch es gibt einen losen zeitlichen Zusammenhang zwischen Postmoderne bzw. stärker verbreiteter traditioneller Architektur, wie beispielsweise den Fachwerk-Rekonstruktionen in Hildesheim und Frankfurt/Main der 1980er Jahre.
</p><p>In stadtnahen <a href="Gewerbegebiet" title="Gewerbegebiet">Gewerbegebieten</a> oder an den <a href="Autobahn" title="Autobahn">Autobahnen</a> werden die großen „Trapezblechkisten“ gerne dekoriert. Besonders, wenn Konsumerlebnisse erwünscht sind, kann wie z.&nbsp;B. beim <a href="CentrO" class="mw-redirect" title="CentrO">CentrO</a>, einem großen <a href="Einkaufszentrum" title="Einkaufszentrum">Einkaufszentrum</a> in <a href="Oberhausen" title="Oberhausen">Oberhausen</a> oder in <a href="Factory-Outlet-Center" title="Factory-Outlet-Center">Factory-Outlet-Center</a> wie bei <a href="Wertheim" title="Wertheim">Wertheim</a> oder <a href="Ingolstadt" title="Ingolstadt">Ingolstadt</a>, eine komplette Phantasiestadt simuliert werden.
</p>

<p>In den <a href="Niederlande" title="Niederlande">Niederlanden</a>, lange das europäische „Labor“ für moderne Architektur, ist anscheinend ebenfalls ein Wendepunkt erreicht; neue Wohnbauprojekte werden z.&nbsp;B. in Form eines Wasserschlosses gebaut.
</p><p>Die Boomstädte <a href="Asien" title="Asien">Asiens</a> bedienen sich bei ihren Großprojekten ebenfalls gerne im unbegrenzten <a href="Repertoire" title="Repertoire">Repertoire</a> der Gestaltung: historisierende asiatische Elemente werden mit westlichen genauso kombiniert wie klassische Moderne mit neuen High-Tech-Fassaden.
</p><p>In den osteuropäischen Ländern wie auch in der <a href="Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten" title="Gemeinschaft Unabhängiger Staaten">GUS</a> verhält es sich ähnlich. In Polen, der Ukraine und anderen wurde die Postmoderne in ihrer Entwicklung, unbeeindruckt von kulturpolitischen Debatten, seit 1990 nicht unterbrochen. Mit der Einarbeitung von Versatzstücken lokaler Architekturgeschichte in durchaus freie „Stadterzählungen“ (zumeist auf kriegszerstörten Bauflächen) reichen die Ergebnisse von Kopien des Nachwendebaumarktstils mit dekonstruktiven Einsprengseln bis zu gestalterisch und materialtechnisch hochwertigen Adaptionen bzw. Paraphrasen ehemaliger oder noch vorhandener historischer Stadtkerne. Derartiges ist insofern noch „postmodern“, als die dortige bauliche Zitatensammlung auch weiterhin keinem in einem Ideenbund verankerten kulturpolitischen Regelwerk (wie z.&nbsp;B. beim sozialistischen Realismus) unterworfen ist und ihrem Wesen nach –&nbsp;wie alle nachmodernen Strömungen auch&nbsp;– fluktuativ ist.
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Ingeborg Flagge, Romana Schneider: <i>Revision der Postmoderne / Post-Modernism Revisited.</i> Junius, Hamburg 2004, ISBN 3-88506-546-0 (Text deutsch und englisch, herausgegeben anlässlich der Ausstellung <i>„Die Revision der Postmoderne. In Memoriam Heinrich Klotz“</i> vom 30. Oktober 2004 bis 6. Februar 2005 im Deutschen Architekturmuseum <a href="Deutsches_Architekturmuseum" title="Deutsches Architekturmuseum">DAM</a> / Dezernat für Kultur und Freizeit, Stadt Frankfurt am Main).</li>
<li>Sonja Hnilica, Riklef Rambow (Hg.): Identifikationen der Postmoderne. Stadt, Form und Identität (Wolkenkuckucksheim. Internationale Zeitschrift zur Theorie der Architektur, H. 41) 2021. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://cloud-cuckoo.net/de/hefte/alle-hefte/heft-41">Online</a></li>
<li>Sonja Hnilica, Riklef Rambow (Hg.): Identifikationen der Postmoderne. Repräsentationen und Diskurse (Wolkenkuckucksheim. Internationale Zeitschrift zur Theorie der Architektur, H. 42) 2022. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://cloud-cuckoo.net/de/hefte/alle-hefte/heft-42">Online</a></li>
<li><a href="Charles_Jencks" title="Charles Jencks">Charles Jencks</a>: <i>Die Sprache der postmodernen Architektur – Entstehung und Entwicklung einer alternativen Tradition</i> (Originaltitel: <i>The Language of Post-Modern Architecture</i>, übersetzt von Nora von Mühlendahl-Krehl). DVA, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-02940-7</li>
<li>Carina Kitzenmaier, Matthias Noell (Hg.): Tendenzen der 80er-Jahre. Architektur und Städtebau in Deutschland (Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, Bd. 101), Berlin 2022. <a rel="nofollow" class="external autonumber" href="https://www.dnk.de/mediathek/#tendenzen-der-80er-jahre">[1]</a></li>
<li><a href="Heinrich_Klotz" title="Heinrich Klotz">Heinrich Klotz</a>: <i>Moderne und Postmoderne, Architektur der Gegenwart 1960–1980</i>, Vieweg, Braunschweig / Wiesbaden 1987, ISBN 3-528-28711-X</li>
<li>Robinson Michel: <i>Kitsch und Rebellion. Die Postmoderne auf dem Vormarsch. Neue Themen für die Denkmalerfassung</i>. <a href="Landesamt_f%C3%BCr_Denkmalpflege_Hessen" title="Landesamt für Denkmalpflege Hessen">Landesamt für Denkmalpflege Hessen</a> (Hg.): <i>Denkmal Hessen</i> 2024/2, S. 26–35.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Postmodern_architecture?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Postmoderne Architektur</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Elie Haddad: <i>Charles Jencks and the historiography of Post-Modernism.</i> In: <i>The Journal of Architecture.</i> Band 14 (2009), Heft 4, S. 493–510 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13602360902867434">online</a>)</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">AFA-Magazin: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.afa-architekturmagazin.de/form-follows-function-vs-form-follows-fiction/"><i>„form follows function“ vs. „form follows fiction“ - AFA Architekturmagazin.</i></a> 29.&nbsp;April 2014,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 15.&nbsp;Januar 2022</span> (deutsch).</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3APostmoderne+Architektur&amp;rft.title=%E2%80%9Eform+follows+function%E2%80%9C+vs.+%E2%80%9Eform+follows+fiction%E2%80%9C+-+AFA+Architekturmagazin&amp;rft.description=%E2%80%9Eform+follows+function%E2%80%9C+vs.+%E2%80%9Eform+follows+fiction%E2%80%9C+-+AFA+Architekturmagazin&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.afa-architekturmagazin.de%2Fform-follows-function-vs-form-follows-fiction%2F&amp;rft.creator=AFA-Magazin&amp;rft.date=2014-04-29&amp;rft.language=de-DE">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Fredric Jameson: <i>Postmoderne und Konsumgesellschaft.</i> In: Dorothee Kimmich, Rolf G. Renner, Bernd Stiegler (Hrsg.): <i>Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart.</i> Neuausgabe Stuttgart 2008, S. 128–145, hier: S. 128 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.casalgrandepadana.de/media/filer_public/6a/d6/6ad6e3e5-23b8-4693-99a4-5a174bdeda16/cp_gp_casabaldi_cartella_stampa_de.pdf"><i>Casa Baldi.</i></a><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 15.&nbsp;Januar 2022</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3APostmoderne+Architektur&amp;rft.title=Casa+Baldi&amp;rft.description=Casa+Baldi&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.casalgrandepadana.de%2Fmedia%2Ffiler_public%2F6a%2Fd6%2F6ad6e3e5-23b8-4693-99a4-5a174bdeda16%2Fcp_gp_casabaldi_cartella_stampa_de.pdf">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Zeitschrift <i>Architektur der DDR</i>, Ausg. 1981–1990, Verlag für Bauwesen, Berlin (DDR)<br><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.das-neue-dresden.de/">das-neue-dresden.de</a><br><i>Stadtsanierung</i>, Verlag für Bauwesen, Berlin (DDR) 1989</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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